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Apotropäische Reliefs aus dem Nordwest-Palast Assurnasirpals II. in Nimrūd und dem Palast Sargons II. in Khorsābād


Vorderasiatische Archäologie
Betreuung: Prof. Dr. Jan-Waalke Meyer

Der Nordwest-Palast Assurnasirpals II. (883-859 v. Chr.) in Nimrud und der Palast Sargons II. (721-705 v. Chr.) in Khorsabad im heutigen Irak zählen zu den ersten und somit bedeutenden Denkmälern Vorderasiatischer Archäologie. Die meisten der dort entdeckten Orthostaten gelangten im Laufe verschiedener Grabungskampagnen in zahlreiche Museen weltweit. Einige dieser Platten gingen bei den Transportversuchen im Tigris unwiederbringlich verloren und nur eine kleine Anzahl verblieb in situ.Gerade die Palastreliefs bieten einen tiefgreifenden Einblick in assyrische Kunst und Kultur. Neben den narrativen Szenen nehmen Genien und Lamassu genannte Apotropäen aufgrund ihrer Aufstellungsorte in beiden Palästen einen wichtigen Platz ein, wobei ihre Funktion durch den Kontext zwar klar scheint – ihre genaue Bedeutung durch das Fehlen textlicher Beschreibungen jedoch im Dunklen liegt.Erschwert wurden bisherige Untersuchungen am Original durch ihre Verteilung in über 60 Museen weltweit, weshalb meist auf stilisierte Umzeichnungen zurückgegriffen werden musste oder oft nur ausgewählte Stücke – unter Vernachlässigung des Kontextes – berücksichtigt wurden. Dabei besitzen gerade viele Reliefplatten aus Nimrud zahllose Detailinformationen z.B. in Form von Gewandverzierungen, die bisher nur vereinzelt in umfassende Betrachtungen mit einbezogen wurden. Ein wichtiges Ziel des Vorhabens ist daher die Systematisierung ikonographischer Details in Abhängigkeit zu ihrem Anbringungsort. Darüber hinaus weist der Vergleich beider Paläste auf mögliche Bedeutungsverschiebungen der Figuren und Veränderungen in der Auffassung des Königtums hin.

Hier gewährt die 3D-Rekonstruktion die Möglichkeit einer modernen Zusammenführung ehemals benachbarter Reliefplatten samt Wiederherstellung heute kaum noch sichtbarer Gewandverzierungen und Pigmentreste – unabhängig ihres gegenwärtigen Ausstellungsortes. Dies erlaubt – neben einer Annäherung an den ursprünglichen Raumeindruck – gebündelt abrufbare Detailinformationen innerhalb des jeweiligen Palastes.Zusammenfassend bemüht sich das Dissertationsvorhaben um eine Dokumentation und Katalogisierung unpublizierter Details und Kontextinformationen als Grundlage beider Palastrekonstruktionen. Sie dienen vor allem dem Ziel, durch Analyse der Aufstellungsorte apotropäischer Figuren mehr über die Bedeutung dieser Schutzfiguren zu erfahren.