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Kupferdistributionssysteme (Metallurgieketten) in den Alpen und den Westkarpaten

Vor- und Frühgeschichte Europas
Betreuung: Prof. Dr. Rüdiger Krause

Im Verlauf der frühen Bronzezeit Mitteleuropas wurden in zahlreichen Deponierungen und Gräbern teils große Mengen bestimmter und offensichtlich speziell ausgewählter Gegenstände niedergelegt. Von diesen werden die sog. Ösenringe und Spangenbarren untersucht. Das Spektrum der Deutungsansätze dieser Gegenstände und ihrer Niederlegungen pendelte in der Vergangenheit zwischen den Extremen profaner und sakraler Motive. Auf der Basis der Verbindung der derzeit bevorzugten kultischen Deutung mit dem scheinbar normierten Gewicht und einer häufig wiederkehrenden Materialzusammensetzung werden die Barrenformen meist als Bestandteil eines Zahlungsverkehrs mit Göttern gesehen. 

Diese Arbeit widmet sich nicht nur der Hinterfragung dieser These. Mit einem gesamtheitlichen Ansatz, der möglichst alle Aspekte der Barrenformen berücksichtigt, sollen neue Erkenntnisse gewonnen werden. Im Fokus stehen Fragen nach der tatsächlichen Nutzung als Zahlungsmittel, nach der Definition des Wertes, dessen Ursprung und Wandel im interregionalen Austausch. Weitere Antworten sind hinsichtlich der Organisation der Herstellung sowie der Verteilung und den handelnden Personen zu suchen.

Zur Klärung dieser Fragen sollen die Objekte formal erfasst und typologisch betrachtet werden. In Kombination mit naturwissenschaftlichen Analysen werden so Erkenntnisse zum Ursprung, den Verteilungswegen und dem einheitlichen Erscheinungsbild erhofft. Mit der Hilfe von ethnologischen und soziologischen Theorien, beispielsweise verschiedenen Werttheorien oder Überlegungen zu Gabentauschsystemen, sollen die immateriellen Hintergründe beleuchtet und in ein eigenes Modell integriert werden.