Kathrin Knodel | Projekt | Publikationen 

Der Brautpreis in Burkina Faso / Westafrika - Güter, Moral und Moderne

Ethnologie
Betreuung: Prof. Dr. Hans Peter Hahn

Erwartungen an die Entwicklung moderner Gesellschaften in Afrika implizierten die allmähliche Auflösung tradierter Institutionen wie dem Brautpreis. Doch das Gegenteil ist eingetreten: In den Gesellschaften Westafrikas, in denen Brautpreis praktiziert wird, hat er seine gesellschaftliche Stellung beibehalten; seine Bedeutung nimmt sogar noch zu. Die Bedeutungsebenen, die sich in den entsprechenden Gesellschaften vom Brautpreis ausgehend entfalten, sind hierbei sehr komplex. Der Zusammenhang zwischen dem Wert, den jeweiligen Gütern, und dem entsprechenden Äquivalent, für das die Person der Braut steht, unterliegt strengen moralischen und gesellschaftsformenden Regeln. Wenn der Brautpreis, wie es bestimmte Ethnologen vermutet haben, eine Kontrolle über die Reproduktion darstellt, so berührt diese Institution auch die Frage, wie sich eine Gesellschaft überhaupt kulturell und sozial reproduziert. Die Art, in der sie diese Aufgabe löst, ist für sie in vielerlei Hinsicht zukunftsweisend.

Damit befindet sich diese Institution an der Schnittstelle zwischen symbolischen Handlungen, materieller Kultur und ökonomischen Strategien und zeigt zugleich Möglichkeiten von Übergängen zwischen diesen Sphären auf. In der Dissertation soll der Frage nachgegangen werden, an welcher Stelle der Brautpreis selbst zum Kapital wird. Unter welchen Bedingungen ist es zulässig, ihn durch eine konkrete Handlung in eine Investition zu verwandeln? Wo befinden sich Durchgänge zur Konvertierung, wo leistet die Norm Widerstand? Diese Arbeit fragt danach, welche Tauschsphären heute das wirtschaftliche Handeln prägen, zumal die Angemessenheit der Tauschgüter und das Verhältnis von Wert und Gegenwert unter dem Aspekt des Konsumwandels neu betrachtet werden muss.