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Geld für die Götter? Studien zur Verwendung und Bedeutung der Münze in antiken, insbesondere in gallisch/gallorömischen Heiligtümern

Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen
Betreuung: Prof. Dr. Hans-Markus von Kaenel

Das Dissertationsprojekt untersucht das antike Phänomen der intendierten Niederlegung von Münzen im sakralen Raum, das hier als Monetarisierung der Gabe verstanden wird. Im Focus stehen dabei die zahlreichen und oftmals sehr umfangreichen Münzfunde in Heiligtümern des gallisch-gallorömischen Kulturraumes, der sich über weite Teile des heutigen Frankreichs und östlich angrenzender Gebiete erstreckt. Dabei sollen sowohl übergreifende Phänomene, wie die geographische und historische Entwicklung dieser Monetarisierung, als auch Einzelaspekte, wie die Demonetarisierung geweihter Münzen und deren religiöse Bedeutungsebenen, analysiert werden.

Aufgrund der Tatsache, dass die Genese des Münzgeldes erst in einer relativ späten Phase durch den gallisch-gallorömischen Kulturraum mitgetragen wurde, soll sich der erste Abschnitt des Projekts grundlegenden Fragestellungen und Entwicklungen widmen, die in erster Linie den griechischen und römischen Kulturraum betreffen. Dies ergibt sich aus der allgemeinen kulturhistorischen Bedeutung jener Räume für das gallische und romanisierte Mittel- und Westeuropa, als auch aus der konkreten Entwicklung der antiken Münzprägung und der damit einher gehenden Monetarisierung der betreffenden Gesellschaften. Die einführende Auseinandersetzung bezieht sämtliche verfügbare Quellengattungen ein und soll systematische, typologische oder methodische Grundlagen liefern - etwa zur Differenzierung der Münzweihungen oder Münzopfer bezüglich ihrer Intention und Ausprägung. Darüber hinaus soll ein interkultureller Ansatz auch einen Mehrwert für die übergeordneten Fragestellungen des Graduiertenkollegs liefern. So lässt sich die Transformation von Werten über kulturelle oder chronologische Grenzen hinaus verfolgen. Von Interesse sind auch die Biographien von Münzen, die, als Teil der materiellen Kultur, zwischen profanen und religiösen Sphären zirkulieren können.