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Verborgene Werte: Praxis des Münzhortens in der römischen Provinz Germania Inferior und in der Kontaktzone entlang des Limes


Archäologie von Münze, Geld und Wirtschaft in der Antike
Betreuung: Prof. Dr. Fleur Kemmers; Prof. Dr. Reinhard Wolters (Wien)

Mein Dissertationsprojekt untersucht anhand des Kontexts und der Zusammensetzung römischer Münzhorte in der nordwestlichen Kontaktzone des Römischen Reiches und seiner germanischen Nachbarn die Praxis und Bedeutung des Hortens von Münzen. Anhand ausgewählter Fallstudien aus den Provinzen Germania Inferior, den nördlichen Grenzbereichen der Germania Superior und dem Inneren Germaniens im heute deutschsprachigen Raum gehe ich folgende Fragen nach:

·      Was wurde gehortet; gibt es nach Kontext und Zusammensetzung Muster, eine Art "Hort-Signatur"?

·      Inwieweit spiegeln Münzhorte unterschiedliche Wertvorstellungen der Deponierenden?

·      Was man aus der Analyse von Münzhorten über Motive, soziale Beziehungen und Werte der Hortenden erfahren?

·      Ist die Limesregion konkrete Grenze kultureller Praxis oder durchlässiger, welche Schlüsse lassen sich daraus für die Beurteilung römisch-germanischer Kontakte in der Kaiserzeit ziehen?

Deponierung römischer Münzen in Hortform war innerhalb der monetarisierten Provinzen des römischen Reiches gängige Praxis. Münzhorte wurden aber auch in Gegenden gefunden, die in der römischen Kaiserzeit nicht (oder nicht vollständig) monetarisiert waren, wo verschiedene Formen des Hortens und Deponierens jedoch bereits in vorrömischer Zeit üblich waren. Das Deponieren von Münzen verweist auch auf soziale Praktiken und nicht nur ökonomische Wertvorstellungen. Für das Thesaurieren von Münzen und das Verbergen von Münzhorten kommen verschiedene Motive in Betracht. Die Frage nach dem Wert der Münzen und ihrer Funktion als Geld (oder Gabe?) in ökonomischer (und sozialer!) Zirkulation in der provinzialrömischen Gesellschaft und bei den germanischen Stammes-Gesellschaften steht hier im Fokus. Als Vergleichsregion dient Dänemark, das politisch und ökonomisch nicht "romanisiert" war, wo aber auch römische Objekte deponiert worden sind.

Ziel meines Projekts ist es, die komplexe Natur von Münzen als Währung, Ware und Prestigeobjekt mit (stets zugeschriebenem) Wert in der genannten Zone für die römische Kaiserzeit bis Anfang des vierten Jahrhunderts zu untersuchen, durch Hortanalyse und Vergleich die Praxis des Hortens besser zu verstehen und den Wertvorstellungen der Deponierenden näher zu kommen.