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Mit Objekten verwandt – ethnologische Vergleichsstudie zur kulturell bedingten Wertigkeit von taonga in Sammlungen in Aotearoa, in Deutschland und in der Schweiz (Arbeitstitel)


Ethnologie
Betreuung: Prof. Dr. Holger Jebens

Der Zustand, die Ausrichtung und sogar die Existenzberechtigung der ethnographischen Museen in Europa werden in der Fachwelt in den letzten Jahren stark diskutiert. Die Antwort auf die Frage, wie die Zukunft für diese Institutionen auszusehen hat, ist noch nicht endgültig geklärt. Die Konzepte sind unterschiedlich und doch spielt die Kooperation mit den source communities zunehmend eine zentrale Rolle. Bezüglich der Einbindung der source communities in die Museumsarbeit gelten die neuseeländischen Museen vielfach als vorbildlich. Die entsprechende Zusammenarbeit kann beispielsweise bei der Provenienzforschung sinnvoll sein, ist aber aus der Perspektive der Maori auch eine Möglichkeit, die Museen als Instrumente und Plattformen zu nutzen, um die eigene kulturelle Identität, als die ersten Siedler des Landes (tangata whenua) in der neuseeländischen Gesellschaft zu verankern und somit Einfluß zu gewinnen. Es entsteht ein Interessenunterschied zwischen den Konzepten der europäischen und den neuseeländischen Museen, was sich in der Zusammenarbeit schließlich bemerkbar macht.

Neuseeland gilt allgemein als eine bikulturelle Gesellschaft. Jedoch ist die Bezeichnung auch zunehmend umstritten, da diese die schon längst multikulturelle Bevölkerung des Landes hierarchisiert. Hierbei sind die Nachkommen der europäischen Siedler sowie die Maori gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen in vielen Bereichen der Gesellschaft bevorteilt. Seit den 1980er Jahren wird eine bikulturelle Politik durch die neuseeländische Regierung verstärkt proklamiert. Dies hat auch direkte Auswirkungen auf die Museumsarbeit, die dadurch eine eindeutig politische Aufgabe übernommen hat. 

In meiner Forschung untersuche ich zunächst, inwieweit die Maori die Museen für ihre politischen Interessen einsetzen und welche Rolle die taonga dabei spielen. Taonga sind im weitesten Sinne Träger der kulturellen Werte der Maori. Zu ihnen gehören beispielsweise Geschichten, Lieder, Tänze oder auch Objekte, die nicht für den täglichen Gebrauch hergestellt und von den Vorfahren an ihre Nachkommen weitergegeben wurden. Sie besitzen nach den Vorstellungen der Maori Autorität (mana), was die Einhaltung genauer Regeln im Umgang mit ihnen erfordert. So dürfen sie beispielsweise nur von bestimmten Personen berührt werden. 

Nachdem taonga seit der Ankunft von James Cook in Neuseeland auch nach Europa gebracht wurden, gehe ich der Frage nach, wie sich die Vorstellungen, Praktiken und Interessen der Maori im Umgang mit den Objekten auf die hiesige Museumsarbeit auswirken. Dabei erscheint die Übernahme von Maori-Werten und Praktiken durch europäische Kuratoren zum Teil als willkürlich. Zu den Themen, die in diesem Zusammenhang diskutiert werden müssen, gehören auch die Problembereiche Repatriierung und Bildrechte.