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Der Wert des Besonderen – Römische und germanische Terra Nigra des 3. – 5. Jh. n. Chr.

Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen
Betreuung: Prof. Dr. Fleur Kemmers

Die spätrömische Terra Nigra ist eine charakteristische Feinkeramikware des 3. bis 5. Jh. n. Chr., die am Niederrhein, in Westfalen und den Niederlanden verbreitet ist. Charakteristisch für diese Warenart sind die sogenannten Fußschalen der Form Chenet 342/Gellep 273 sowie ihre Herstellungsweise auf der Drehscheibe und der Brand in einer reduzierenden Brennatmosphäre.
Am Beispiel der spätrömischen Terra Nigra soll untersucht werden wie ausgeprägt der Austausch zwischen Römern und Germanen in der Spätantike gewesen ist. Dabei steht die Frage nach dem Ursprung dieser Warengruppe sowie der Entwicklung und Herkunft ihrer charakteristischen Gefäßform im Zentrum. Zur Debatte steht, inwieweit die Terra Nigra als Ergebnis einer Symbiose verschiedener Traditionsstränge zu sehen ist.
In diesem Zusammenhang müssen mögliche Produktionsorte lokalisiert werden. Dabei ist von Interesse, ob die Terra Nigra zuerst im provinzialrömischen Gebiet produziert und als Importware in das freie Germanien gelangte, wo diese lokal imitiert wurde, oder ob die Terra Nigra ausschließlich im germanischen Gebiet produziert wurde. Weiterhin soll versucht werden, die Absatzgebiete einzelner Töpfereien zu rekonstruieren und somit Aufschluss über die Organisation von Handelsstrukturen zu erhalten. Neben archäologischen Methoden sollen geochemische Analyseverfahren eingesetzt werden. Hierzu wird an ausgewählten Fundplätzen eine statistisch relevante Menge an Scherbenmaterial naturwissenschaftlich untersucht.
Wichtig ist die Frage nach dem Wert dieser Keramik für den Konsumenten und ob am Besitz dieser Gefäße eine bestimmte soziale Stellung oder Prestige gebunden ist. Deshalb sollen neben archäologischen Methoden auch ethnologische Theorien und Konzepte einbezogen werden.