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Assyrische Quarzkeramik


Vorderasiatische Archäologie
Zweitbetreuung: Prof. Dr. Dirk Wicke

Quarzkeramik ist ein Oberbegriff für keramische Produkte, deren Hauptbestandteil Quarz ist. Dadurch wird das Material von Tonkeramik abgegrenzt. Als „keramisch“ werden diese Produkte wegen ihrer Herstellungsweise eingeordnet: Die Rohstoffe werden im kalten Zustand zu einer Rohmasse vermischt, die anschließend geformt und gebrannt wird, um einen gesinterten, anorganischen Werkstoff zu erhalten. Wegen des porösen, wasserdurchlässigen und weißen Scherbens wird Quarzkeramik glasiert und in die Keramik-Klasse des Steinguts eingeordnet.

Obwohl Quarzkeramik in vielen vorderasiatischen Fundorten zahlreich vertreten ist, existieren keinerlei zusammenfassende Abhandlungen, welche das Material für die Vorderasiatische Archäologie hinsichtlich Eigenschaften, Herstellung, Verbreitung, Entwicklung und Funktion definieren. Deshalb mussten bisher zu Einzelstudien vorderasiatischer Quarzkeramik-Objekte Untersuchungen anderer archäologischer Disziplinen – vor allem die der Ägyptologie – hinzugezogen werden. Mithilfe der erstmaligen Bearbeitung und Publikation einer großen, zusammenhängenden Gruppe vorderasiatischer Quarzkeramik-Objekte aus nachvollziehbaren Fundkontexten können allgemein gültige Aussagen zum Werkstoff getroffen werden, die für die ausstehende Definition von hohem fachlichen Interesse sind und Grundlage für zukünftige Studien zum Thema sein werden.

Aus der altorientalischen Benennung als Stein „aus dem Ofen“ geht die Funktion von Quarzkeramik als künstlich hergestelltes Steinimitat hervor. Da Steine im Vorderen Orient als Schutz- und Heilmittel dienten, stellt sich die Frage, ob und inwiefern sich diese Funktion auch auf das Imitat aus Quarzkeramik überträgt. Die Fundkontexte der Objekte sind nicht nur für diese Fragestellung ein geeigneter Ausgangspunkt, sondern auch für die Analyse des antiken Werts des Werkstoffes, da diese unterschiedlichen sozialen Gruppen zuzuordnen sind (z.B. Tempel, Paläste, Gräber).

Grundlage der Untersuchung sind Quarzkeramik-Figuren, -Gefäße und -Rosetten aus den assyrischen Städten Assur, Kar-Tukultī-Ninurta und Kalḫu des 2. und 1. Jts. v. Chr. Dabei nehmen die Funde aus Assur wegen ihrer sehr großen Anzahl und des repräsentativen Formenspektrums eine zentrale Rolle ein, sodass allgemein gültige Aussagen zum Werkstoff getroffen werden können; zusätzlich sind die Fundkontexte in Assur im Rahmen des DFG-geförderten Assur-Projektes intensiv aufgearbeitet und dokumentiert worden. Erst die dadurch ermöglichte Nachvollziehbarkeit der Fundkontexte erlaubt es, Rückschlüsse auf die Funktion und den Wert von Quarzkeramik zu ziehen, was in dieser Form in keinem anderen vorderasiatischem Fundort möglich ist.