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Materialität und Ökonomie des Totengedenkens in Ghana - Zurschaustellung, Austausch und Wertschöpfung


Ethnologie mit regionalem Schwerpunkt Afrika
Betreuung: Prof. Dr. Hans Peter Hahn

 

Meine Forschung hat eine Ethnografie der wirtschaftlichen und materiellen Aspekte rund um Totengedenken in einem ghanaischen Dorf zum Ziel. Die hier beobachteten Vorgänge sollen als ein ökonomisches System betrachtet werden.

In Ghana sieht man gegenwärtig eine Vielzahl an öffentlich ausgestellten Bildern, die zum Gedenken an ein verstorbenes Familienmitglied, eine Person des öffentlichen Lebens oder ein Mitglied der Gemeinschaft aufgehängt werden. Poster in verschiedenen Größen und aus unterschiedlichen Materialien machen den Namen des Verstorbenen, sein Alter und Todesdatum bekannt. Ein Studiofoto von ihm und emphatische Ausdrücke wie ‚What a Shock‘ oder ‚Call to Glory‘ sind ebenfalls Teil des visuellen Ensembles. Diese Poster können teuer sein, wenn sei z. B. Farbdrucke auf langlebigem Vinyl enthalten. Andere langlebige Demonstrationen des Gedenkens sind T-Shirts und Tassen in ähnlichem Design. Dieses relativ neue Phänomen dient als Einstieg für meine Forschung zu Materialität und Totengedenken in Ghana.

Mit diesen ikonischen Postern als Ausgangspunkt fragt meine Forschung nach weiteren Aspekten dessen, was sowohl eine Ökonomie als auch eine Reihe sozialer Praktiken rund um den Tod und Gedenken ist. Eine vorläufige Forschungsfrage ist: Wie produzieren materielle und soziale Werte eine mit Totengedenken assoziierte Materialität und wie werden diese umgekehrt von dieser Materialität beeinflusst? Wie schaffen Artefakte, Materialien und Geld ökonomische und soziale Beziehungen und Differenzierungen? Auf welche Arten fungieren sie als Agenten für Veränderung oder Konservierung?

Von mir näher betrachtete materielle Praktiken sind unter anderem das Herstellen von Grabkränzen aus Plastikbändern, die Arbeit der Sargmacher, das festliche Sammeln von Geld während Begräbnissen und die Feier von Jahrestagen des Todes. Unterschiedliche materielle Praktiken, Objekte und Handwerke in Bezug auf das Phänomen Tod zeigen Aspekte des Konsums, der Schaffung und Repräsentation von sozialem Status sowie soziale Verpflichtungen durch Schenkungen, Erwiderung, Gaben und Kauf. Familien beteiligen sich an Prestigekonsum, um eindrucksvolle Begräbnisse zu organisieren. Diese schaffen sozialen Status sowie auch Verpflichtungen auf Seiten der Eingeladenen.

Der ethnografische Fokus auf die materiellen Aspekte soll zudem die durch das Gedenken produzierten ökonomischen Aspekte offenlegen. Die Untersuchung materieller Kultur kann einen tieferen Einblick in soziale Erwartungen, religiöse Anforderungen sowie wirtschaftliche Aktivitäten im Umfeld der Trauerfeiern geben. Wie werden etwa Langlebigkeit und Permanenz durch die Verwendung von Plastik für Kränze repräsentiert? Wie verhält sich die Präsenz von Gedenkpostern im öffentlichen Raum zu Vorstellungen des Loslassens und der Vergänglichkeit? Die Eigenschaften von Materialien, welche sich zwar verändern aber nicht Geburt oder Tod unterworfen sind, kann einen neuen Fokus bei der Untersuchung materiellen Umgangs mit dem Tod setzen. Dies verbindet sich in der Studie mit weiteren Themenfeldern wie Symbolen, Ritual, Religion, Körper und visueller Kultur.